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Sicherheitstechnik für Flucht- und Rettungswege
- Löst den Grundkonflikt jedes Notausgangs: Die Tür muss im Notfall ohne Hilfsmittel begehbar bleiben und darf trotzdem nicht unbemerkt als Ausgang missbraucht werden
- Drei Wege dorthin — Türwächter (Tür bleibt frei, das Öffnen löst Alarm aus), Schutzabdeckungen über Drücker und Panikstange, Fluchtwegterminals mit elektrischer Verriegelung nach DIN EN 13637
- Geräte von GfS für Türen, Fenster, Panikstangen und Schlüsseldepots, dazu Montageplatten, Funkkomponenten und Kabelübergänge
- Fluchtwegsicherungstechnik wird in RAL 6029 Signalgrün ausgeführt — die Kennzeichnung selbst folgt DIN 4844, ASR A 1.3 und ISO 7010
- Ausschlusskriterium: Ein Türwächter verriegelt nicht. Wer im Rettungsweg tatsächlich verriegeln muss, braucht ein System nach EN 13637 — und die Zustimmung der Genehmigungsbehörde
Warum es diese Geräte gibt
Ein Notausgang muss offen stehen können und darf gleichzeitig kein zweiter Hausausgang sein. Die Pflicht dazu steht nicht in einer einzelnen Norm, sondern ergibt sich aus mehreren Quellen zugleich: der Verkehrssicherungspflicht des Betreibers nach § 823 Abs. 1 BGB, § 4 der Arbeitsstättenverordnung, § 9 Abs. 3 der Muster-Versammlungsstättenverordnung und § 15 Abs. 3 der Muster-Verkaufsstättenverordnung. Wer die Fluchttür abschließt, verstößt dagegen — wer sie ungesichert lässt, hat einen Ausgang, den niemand kontrolliert.
Die Lösung liegt darin, das Öffnen nicht zu verhindern, sondern sichtbar und hörbar zu machen. Ein Türwächter lässt die Tür jederzeit begehbar; wird sie geöffnet, schlägt er Alarm. Das ist der Regelfall, weil die Fluchtfunktion dabei unangetastet bleibt. Erst wo wirklich verriegelt werden muss, kommt ein Terminal nach DIN EN 13637 in Frage — dort gibt ein Nottaster die Tür mit definierter Freigabe frei, und die Anlage ist genehmigungspflichtig.
Verwandte Kategorien
- Rettungswegtechnik — Türwächter und Zubehör im Zweig Türbeschläge
- Türöffnungsbegrenzer für Flucht- und Rettungswege — den Öffnungsweg begrenzen, ohne die Fluchtfunktion anzutasten
- Feststellanlagen — Brandschutztüren offen halten und im Brandfall schließen; an einer Tür können beide Themen zusammentreffen
- Türschließer — das selbsttätige Schließen der Tür
- Technische Erklärungen — Normen, Technik und Montage im Detail
- GfS — der Hersteller und das komplette Programm
GfS Fluchttürhauben-Wächter mit Funkweiterleitung, PHZ eingebaut komplett wahlweise für Haube D2, E, K oder F
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Die Auswahl: erst die Aufgabe, dann das Gerät
Die Bauform richtet sich danach, was gesichert wird und wie die Tür bedient wird. Die drei Grundwege unterscheiden sich nicht im Komfort, sondern im rechtlichen Status:
| Lösung | Prinzip | Wann |
|---|---|---|
| Türwächter | Die Tür bleibt jederzeit begehbar, das Öffnen löst Alarm aus | der Regelfall — die Fluchtfunktion bleibt unangetastet |
| Schutzabdeckung | Haube über Drücker oder Panikstange, Alarm beim Anheben | wo der Beschlag selbst geschützt werden soll |
| Fluchtwegterminal nach EN 13637 | Tür elektrisch verriegelt, Nottaster gibt sie mit definierter Freigabe frei | nur wo tatsächlich verriegelt werden muss — genehmigungspflichtig |
Welcher Türwächter? Das entscheidet der vorhandene Beschlag. Für die Standardtür mit Drücker gibt es den Einhand-Türwächter; für Türen mit Panikstange eine eigene Bauform, die auf der Druckstange sitzt. Der Schwenk-Türwächter wird unterhalb des Drückers montiert und gibt die Tür bei Schwenkung um 45° frei — die Einzelbegehung läuft dort über die Wechselfunktion des Antipanikschlosses, also mit dem Türschlüssel und ohne Alarm. Für Fenster und Flügel, die als Rettungsöffnung dienen, gibt es Fenster- und Flügelwächter, und der Mobilfunk-Türwächter meldet die Auslösung zusätzlich per Mobilfunk.
Wo der Beschlag selbst geschützt werden soll, stehen die Fluchttürhauben — mechanische, wiederverwendbare Abdeckungen in den Bauformen D2, E, F, K und S für unterschiedliche Beschlagformen. Für Druckstangen und Stangengriffe gibt es die runde Alarmbox DEXCON mit Voralarm, Hotelmodus und Dauerfreigabe.
Was dazugehört: Montageplatten und Distanzstücke gleichen Beschläge, Stangengriffe und Glasrahmen aus, damit der Türwächter bündig und sabotagesicher sitzt. Funkkomponenten auf 868 MHz sparen die Leitung, wenn die Meldung an eine entfernte Stelle gehen soll. Dazu kommen im Programm Kabelübergänge, Großflächentaster, Schlüsseldepots und die Fluchtwegterminals.
| Ausstattungslinie | Umfang |
|---|---|
| PUR | Basisausstattung: Alarm, Profilhalbzylinder, Schlüssel |
| PRAXIS | zusätzlich Batterieüberwachung |
| PLUS | zusätzlich Batterieüberwachung, Fremdeinspeisungsklemme, Deckelabhebekontakt |
| IP 45 | Außenbereich, Spritzwasserschutz |
| Funk | kabellos, 868 MHz, ca. 30 m Reichweite |
Dieselbe Grundfunktion, unterschiedlicher Ausbau: Die Linie entscheidet nicht darüber, ob die Tür gesichert ist, sondern wie viel das Gerät zusätzlich überwacht und meldet.
Normen, Recht und was daraus folgt
Drei Normen bestimmen, was an eine Fluchttür gehört — und die Abgrenzung zwischen den ersten beiden ist keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Nutzergruppe:
| Norm | Regelt | Bedienung |
|---|---|---|
| DIN EN 179 | Notausgangsverschlüsse | Drücker oder Stoßplatte — für Bereiche, in denen die Nutzer ortskundig sind und keine Panik zu erwarten ist |
| DIN EN 1125 | Paniktürverschlüsse | horizontale Panikstange — für Bereiche mit Publikumsverkehr, in denen Panik entstehen kann |
| DIN EN 13637 | elektrisch gesteuerte Fluchtwegverriegelung | elektrische Verriegelung mit definierter Freigabe — ersetzt in Neuanlagen zunehmend die EltVTR |
Versammlungsstätten, Verkaufsstätten und alle Bereiche, in denen sich ortsunkundige Personen aufhalten, brauchen Panikverschlüsse nach EN 1125. Ergänzend gelten die EltVTR für elektrische Verriegelungssysteme im Bestand, DIN 4844, ASR A 1.3 und ISO 7010 für die Kennzeichnung sowie DIN 14675 und DIN 4066 für Feuerwehr-Schlüsseldepot und Feuerwehrzeichen.
Ein Terminal nach EN 13637 wird über eine Klassifizierungsmatrix beschrieben — Verwendungsklasse, Zeitverzögerung und Modus zur Sperrung der Freigabe. Die konkrete Klassifizierung steht im Prüfzeugnis des jeweiligen Geräts. Wichtig für die Planung: Die Verzögerungszeit ist nicht frei wählbar. Zulässige Verzögerungszeiten und ihr Einsatz sind genehmigungspflichtig und richten sich nach Landesbaurecht und der Zustimmung der zuständigen Behörde — Sekundenwerte gehören deshalb aus dem Prüfzeugnis und der Baugenehmigung abgeleitet, nicht aus einem Katalog.
Und was hier nicht hingehört: Ein Türöffnungsbegrenzer begrenzt den Öffnungswinkel und schützt Wand und Tür — er ist keine Fluchtwegtechnik. Und eine Feststellanlage löst eine andere Aufgabe: Sie hält Brandschutztüren offen und schließt sie im Brandfall. An einer Tür können beide Themen zusammentreffen, wenn eine Brandschutztür im Rettungsweg liegt.
Häufige Fragen zur Fluchtwegsicherung
Warum darf eine Fluchttür nicht einfach abgeschlossen werden?
Weil sie im Notfall ohne Hilfsmittel begehbar sein muss — ohne Schlüssel, ohne Code, ohne Suchen. Zulässig sind deshalb nur zwei Wege: eine Sicherung, die die Tür begehbar lässt und beim Öffnen Alarm auslöst, oder eine elektrische Verriegelung nach DIN EN 13637 mit Zustimmung der Genehmigungsbehörde. Ein einfaches Zuschließen ist beides nicht. Dass ein Türwächter die Tür nicht verriegelt, sondern nur meldet, ist ausführlicher unter Rettungswegtechnik erklärt.
EN 179 oder EN 1125 — welcher Verschluss gehört an meine Tür?
Entscheidend ist, wer die Tür im Ernstfall benutzt. EN 179 gilt für Notausgangsverschlüsse in Bereichen, in denen die Nutzer ortskundig sind — etwa Personaltüren; bedient wird über Drücker oder Stoßplatte. EN 1125 gilt für Paniktürverschlüsse mit horizontaler Panikstange und ist Pflicht, sobald mit ortsunkundigem Publikum oder mit Panik zu rechnen ist, also in Versammlungs- und Verkaufsstätten. Das Panikschloss ist dabei das Schloss, der Panikverschluss die Betätigung — beides muss zueinander passen.
Warum ist Fluchtwegtechnik signalgrün?
Weil sie im Ernstfall sofort erkennbar sein muss. Fluchtwegsicherungstechnik wird in RAL 6029, Signalgrün, ausgeführt — dieselbe Farbwelt wie die Rettungswegkennzeichnung. Die Kennzeichnung selbst folgt DIN 4844, ASR A 1.3 und ISO 7010; langnachleuchtende Piktogramme gehören bei vielen Geräten zum Lieferumfang.
Wie kommt jemand im Alarmfall trotzdem regulär durch die Tür?
Dafür gibt es je nach Bauform zwei Wege, gut ablesbar am Schwenk-Türwächter: die Dauerfreigabe über den Geräteschlüssel — etwa während einer Anlieferung — und die Einzelbegehung über die Wechselfunktion des Antipanikschlosses. Wer den Türschlüssel hat, benutzt die Tür also regulär, ohne Alarm auszulösen. Die DEXCON-Alarmbox kennt neben der Dauerfreigabe zusätzlich einen Hotelmodus und einen Voralarm. Beides ändert nichts daran, dass die Tür für jeden anderen jederzeit begehbar bleibt.
Fragen zur Kaufentscheidung
Welcher Türwächter passt zu welchem Beschlag?
Der Beschlag gibt die Bauform vor. Standardtür mit Drücker: Einhand-Türwächter. Tür mit Panikstange: die Ausführung für Druckstangen, die auf der Stange sitzt — oder die Alarmbox DEXCON, die den Stangengriff abdeckt. Soll nicht das Öffnen gemeldet, sondern der Beschlag selbst geschützt werden: eine Fluchttürhaube in der zum Beschlag passenden Bauform. Fenster und Flügel, die als Rettungsöffnung dienen, brauchen Fenster- oder Flügelwächter.
Was ist der Unterschied zwischen PUR, PRAXIS und PLUS?
Der Ausbau, nicht die Grundfunktion. PUR ist die Basisausstattung mit Alarm, Profilhalbzylinder und Schlüssel. PRAXIS ergänzt die Batterieüberwachung — sinnvoll überall dort, wo niemand täglich am Gerät vorbeigeht. PLUS kommt zusätzlich mit Fremdeinspeisungsklemme und Deckelabhebekontakt, meldet also auch den Versuch, das Gerät selbst zu öffnen. Für den Außenbereich gibt es die Ausführung IP 45, für die leitungsfreie Meldung die Funkvariante.
Wozu dienen Montageplatten und Distanzstücke am Türwächter?
Sie schaffen die Auflagefläche. Beschläge, Stangengriffe und Glasrahmen sind selten so eben, dass ein Türwächter direkt bündig aufliegt — bleibt ein Spalt, sitzt das Gerät nicht sabotagesicher. Montageplatten und Distanzstücke gleichen das aus. Welche Platte nötig ist, hängt am konkreten Beschlag; die Auswahl steht unter Montageplatten & Distanzstücke.
Wann brauche ich ein Terminal nach EN 13637 statt eines Türwächters?
Nur dann, wenn die Tür tatsächlich verriegelt werden soll — und das ist die Ausnahme. Der Türwächter ist der Regelfall, weil er die Fluchtfunktion nicht antastet: Die Tür bleibt begehbar, das Öffnen wird gemeldet. Ein Terminal verriegelt und gibt erst nach Betätigung des Nottasters frei; dafür braucht es ein Prüfzeugnis nach DIN EN 13637 und die Zustimmung der Genehmigungsbehörde. Die zulässige Verzögerungszeit ergibt sich aus Prüfzeugnis und Baugenehmigung, nicht aus dem Wunsch des Betreibers.