Drehtürantriebe — Drehtüren motorisch öffnen
- Ein Drehtürantrieb öffnet die Tür motorisch — dort, wo auch ein reduziertes Öffnungsmoment für den vorgesehenen Nutzerkreis noch zu hoch ist
- Barrierefreiheit nach DIN 18040-1 (öffentlich zugängliche Gebäude) und DIN 18040-2 (Wohnungen), Bedienkräfte nach DIN SPEC 1104 / CEN/TR 15894
- Für die Nutzungssicherheit kraftbetätigter Türen gelten EN 16005 und DIN 18650 — Auslösung und Absicherung gehören zur Anlage dazu
- Der Zweig führt den Antrieb und die gesamte Peripherie: Impulsgeber, Funkbedienung, Programmschalter, Not-Aus, Absicherungssensorik und Ersatzteile
- Soll die Tür nur selbsttätig schließen und nicht motorisch öffnen, ist dies der falsche Zweig — dann führt der Weg über einen Türschließer nach EN 1154
Was ein Drehtürantrieb leistet
Ein Türschließer muss zwei gegenläufige Dinge können: stark genug schließen, damit die Tür sicher ins Schloss fällt — gegen Dichtungsdruck, gegen Wind — und zugleich schwach genug sein, damit sie sich mit geringer Kraft öffnen lässt. Technik wie dormakaba Easy Open oder GEZE ECline senkt das Öffnungsmoment, ohne die Schließkraft anzutasten. Ein Freilauftürschließer geht weiter: Im Normalbetrieb ist die Tür frei beweglich, erst bei Alarm oder Stromausfall schließt sie.
Der Drehtürantrieb setzt dort an, wo auch das nicht mehr reicht — er übernimmt das Öffnen vollständig. Ausgelöst wird über einen Taster, einen Bewegungsmelder oder einen Funksender; ein Programmschalter legt die Betriebsart fest. Weil sich der Flügel dann ohne Zutun des Nutzers bewegt, verlangt EN 16005 zusammen mit DIN 18650 die Absicherung der Gefahrstellen — im Schwenkbereich des Türblatts und an der Nebenschließkante zwischen Türblatt und Zarge.
Verwandte Kategorien
- Automatische Schiebetüren — wenn der Flügel schiebt statt schwenkt
- Bewegungsmelder — Radar- und Präsenzmelder als Öffnungssensoren
- Türschließer — selbsttätiges Schließen ohne Motor, Größen EN 1 bis EN 7
- Feststellanlagen — der zulässige Weg, eine Brand- oder Rauchschutztür offen zu halten
- Technische Erklärungen — Normen, Auswahl und Wartung im Detail
Antrieb, Freilauf oder Türschließer?
Alle drei bewegen dieselbe Drehtür, lösen aber verschiedene Aufgaben. Die Frage lautet nicht „welches Gerät ist besser", sondern „wer soll die Tür öffnen — der Nutzer oder die Technik".
| Türschließer | Freilauftürschließer | Drehtürantrieb | |
|---|---|---|---|
| Öffnen | der Nutzer, gegen die Federkraft | der Nutzer, im Freilauf nahezu kraftfrei | der Antrieb, motorisch |
| Schließen | selbsttätig aus jeder Stellung | selbsttätig bei Alarm oder Stromausfall | je nach Ausführung motorisch oder federunterstützt |
| Auslösung nötig | nein | nein | ja — Taster, Melder oder Funksender |
| Absicherung nötig | nein | nein | ja — EN 16005 / DIN 18650 |
| Normbezug | EN 1154 | EN 1154 mit EN 1155 | EN 16005, DIN 18650 |
Für die Barrierefreiheit ist die Reihenfolge dieselbe: Zuerst wird geprüft, ob ein Schließer mit reduziertem Öffnungsmoment genügt (dormakaba Easy Open senkt es um rund 40 %, GEZE ECline ist bis 1250 mm Flügelbreite bei EN 5 ausgelegt), dann der Freilauf — und erst wenn auch das nicht reicht, übernimmt der Antrieb. Eine Nummer kleiner zu wählen ist ausdrücklich kein Weg: Das senkt die Öffnungskraft, aber ebenso die Schließkraft, und an Brand- und Rauchschutztüren ist es unzulässig.
Was zu einer Drehtüranlage gehört
Der Antrieb allein ist keine fertige Anlage. Vier Gruppen gehören dazu, und alle vier stehen in diesem Zweig:
- dormakaba Drehtürantriebe — der Antrieb selbst. Im Sortiment ist der Türassistent DORMA PORTEO, ein elektromechanischer Antrieb für nachträglich automatisierte Türen, dazu Funk-Handsender und Funkempfänger der Reihe BRC.
- Auslösung — Großflächen- und Ellbogentaster, Flächentaster in Aufputz- und Edelstahlausführung, Funkbedienung sowie Radarmelder als berührungslose Variante. Die Übersicht steht unter Impulsgeber für Drehtüren, verwandte Sensorik unter Bewegungsmelder.
- Zubehör Drehtürantriebe — Absicherung und Not-Aus. Der Laserscanner BEA LZR-FLATSCAN SW überwacht Türblatt und Nebenschließkante einer Drehflügeltür; der Notausschalter mit Glasscheibe hält den Antrieb im Notfall an.
- Ersatzteile Drehtürantriebe — Programmschalter zur Wahl der Betriebsart, auch abschließbar, sowie Fingerschutz für die Nebenschließkante.
Ein Radarmelder wie der GEZE GC 302 R arbeitet auf 24,125 GHz, erkennt die Laufrichtung und blendet Querverkehr aus — das verhindert, dass die Tür bei jedem Vorbeigehen öffnet. Er ist mit IP54 für Innenräume und den geschützten Außenbereich ausgelegt, wird bis 4 m Höhe montiert und läuft mit 12–36 V DC beziehungsweise 12–28 V AC.
Häufige Fragen zu Drehtürantrieben
Wann lohnt sich ein Drehtürantrieb statt eines Türschließers?
Wenn das Öffnen die eigentliche Hürde ist. Ein Türschließer muss stark genug schließen, damit die Tür sicher ins Schloss fällt; genau diese Kraft muss der Nutzer beim Öffnen aufbringen. Technik zur Reduzierung des Öffnungsmoments und der Freilauf entschärfen das, lösen es aber nicht vollständig. Wo auch das reduzierte Moment für den vorgesehenen Nutzerkreis noch zu hoch ist, übernimmt der Antrieb das Öffnen.
Welche Normen gelten für kraftbetätigte Drehtüren?
Für die Nutzungssicherheit EN 16005 („Kraftbetätigte Türen") und DIN 18650 („Automatische Türsysteme"). Für die Barrierefreiheit DIN 18040-1 bei öffentlich zugänglichen Gebäuden und DIN 18040-2 bei Wohnungen; die Bedienkräfte selbst behandelt DIN SPEC 1104 / CEN/TR 15894. EN 1154 gilt dem Türschließer, nicht dem Antrieb.
Warum braucht eine automatische Drehtür eine Absicherung?
Weil sich der Flügel bewegt, ohne dass jemand ihn führt. Ein Mensch im Schwenkbereich sieht die Bewegung unter Umständen nicht kommen, und zwischen Türblatt und Zarge entsteht auf der Bandseite ein Scherspalt. EN 16005 und DIN 18650 verlangen deshalb, diese Gefahrstellen zu überwachen oder konstruktiv zu entschärfen.
Wo im Drehtürbereich muss abgesichert werden?
An zwei Stellen: im Schwenkbereich des Türblatts, damit der Flügel niemanden trifft, und an der Nebenschließkante — dem Spalt zwischen Türblatt und Zarge, in dem Finger eingeklemmt werden können. Für den Schwenkbereich werden Sensoren eingesetzt, die Türblatt und Nebenschließkante überwachen; die Nebenschließkante lässt sich zusätzlich mechanisch mit einem Fingerschutz abdecken.
Was unterscheidet den Drehtürantrieb vom Freilauftürschließer?
Der Freilauftürschließer nimmt der Tür nur den Widerstand: Im Normalbetrieb ist sie frei beweglich, bewegt wird sie aber weiterhin von Hand. Erst bei Alarm oder Stromausfall schließt er sie. Der Antrieb dagegen bewegt den Flügel selbst und braucht dafür eine Auslösung und eine Absicherung. Kürzel für den Freilauf sind bei dormakaba FL, FLR und FLR-K, bei GEZE EFS und RFS.
Reicht ein kleinerer Türschließer für Barrierefreiheit aus?
Nein. Eine Nummer kleiner senkt die Öffnungskraft, aber im selben Zug die Schließkraft — die Tür fällt dann womöglich nicht mehr sicher ins Schloss. An Brand- und Rauchschutztüren ist das unzulässig. Der richtige Weg führt über volle Schließkraft plus abgesenktes Öffnungsmoment, über den Freilauf oder über den Antrieb.
Fragen zur Kaufentscheidung
Was gehört außer dem Antrieb noch zu einer automatischen Drehtür?
Mindestens eine Auslösung und eine Absicherung. Die Auslösung ist ein Taster, ein Bewegungsmelder oder ein Funksender; die Absicherung überwacht Schwenkbereich und Nebenschließkante. Dazu kommen in der Praxis ein Programmschalter für die Betriebsart und ein Not-Aus. Wer nur den Antrieb bestellt, hat keine betriebsfertige Anlage.
Lässt sich eine vorhandene Drehtür nachträglich automatisieren?
Das ist der übliche Anlass. Der Türassistent DORMA PORTEO ist ein elektromechanischer Antrieb, der auf vorhandene Türen nachgerüstet wird. Ob die konkrete Tür geeignet ist, hängt von Flügelgewicht, Bandsituation und Platz über der Tür ab — und an Brand- oder Rauchschutztüren zusätzlich davon, was die Zulassung der Tür erlaubt.
Welcher Taster eignet sich für die barrierefreie Bedienung?
Einer mit großer Betätigungsfläche, der sich auch mit Ellbogen oder Unterarm bedienen lässt — im Sortiment sind Großflächen- und Ellbogentaster sowie Flächentaster in Aufputz- und in Edelstahlausführung. Wo gar keine Berührung stattfinden soll, etwa in Kliniken und in der Lebensmittelverarbeitung, tritt ein berührungsloser Radarmelder an die Stelle des Tasters.
Brauche ich einen Not-Aus-Schalter an der Anlage?
Er gehört zur üblichen Ausstattung einer kraftbetätigten Tür: Ein Notausschalter mit Glasscheibe hält den Antrieb im Notfall an und ist durch die Scheibe gegen versehentliches Auslösen gesichert. Ob er im Einzelfall zwingend ist, entscheidet die Gefährdungsbeurteilung der konkreten Anlage nach EN 16005 — das ist Sache des Errichters.
Funk oder feste Verkabelung?
Beides ist im Sortiment. Die Funklösung aus Handsender und Empfänger spart die Leitung zum Taster und ist bei Nachrüstungen im Bestand oft der einzige zumutbare Weg. Fest verkabelte Taster sind dafür unabhängig von Batterien und Funkstrecke. In der Praxis werden beide kombiniert: ein fester Taster an der Tür, ein Handsender für den mobilen Nutzer.