Automatiktüren — Antriebe, Sensorik und Bedienung für kraftbetätigte Türen
- Alles für Türen, die sich nicht mit der Hand öffnen lassen müssen: Drehtürantriebe, die Sensorik automatischer Schiebetüren, Bewegungsmelder, Taster und Bedienelemente
- Drei Wege in den Zweig: Drehtürantriebe für den vorhandenen Drehflügel, Automatische Schiebetüren für die Bedien- und Erkennungsseite der Schiebeanlage, Bewegungsmelder für Radar- und Präsenzerkennung
- Typische Anlässe: barrierefreier Zugang nach DIN 18040, Publikumsverkehr am Eingang, Durchgang mit vollen Händen, Nachrüstung einer schwergängigen Bestandstür
- Sobald ein motorischer Antrieb an der Tür sitzt, gelten für die Anlage DIN 18263-4, DIN 18650 und EN 16005 — und die EN-Größe des Türschließers ist kein Auswahlkriterium mehr
- Ausschlusskriterium: Ein Antrieb ist nicht die einzige Antwort auf eine schwergängige Tür. Geht es nur um die Öffnungskraft, sind ein Freilauftürschließer oder ein Schließer mit reduziertem Öffnungsmoment die kleinere Lösung
Was eine Tür zur Automatiktür macht
Eine Automatiktür ist eine Tür, bei der ein Motor die Arbeit übernimmt, die sonst der Nutzer leistet. Damit verschiebt sich die ganze Betrachtung: Nicht mehr die Öffnungskraft ist das Thema, sondern die Steuerung — wer den Fahrbefehl gibt, wie der Fahrweg abgesichert ist, wie sich die Betriebsart umschalten lässt und was im Notfall passiert. Deshalb besteht eine Automatiktüranlage nie nur aus dem Antrieb: Zu ihm gehören ein Impulsgeber, der den Öffnungswunsch meldet, eine Absicherung, die niemanden einklemmt, und Bedienelemente für Betriebsart und Notabschaltung.
Der zweite Unterschied ist rechtlicher Natur. Ein Türschließer wird nach seiner EN-Größe ausgewählt, die zur Flügelbreite passen muss. Sitzt statt seiner ein motorischer Antrieb an der Tür, entfällt dieses Kriterium — an seine Stelle treten die Regelwerke für kraftbetätigte Türen: DIN 18263-4 für Drehtürantriebe, DIN 18650 für automatische Türsysteme und EN 16005 für die Nutzungssicherheit. Sie betreffen nicht nur das neue Bauteil, sondern die Anlage als Ganzes. Wer eine vorhandene Tür nachrüstet, rüstet damit auch ihre Absicherung nach.
Verwandte Kategorien
- Türschließer — die Lösung ohne Motor, wenn die Tür nur sicher schließen soll
- Freilauftürschließer — im Normalbetrieb frei bewegliche Tür, ohne Antrieb; die übliche Antwort an Brandschutztüren in Pflege- und Bildungsbauten
- Schiebetüren — Beschläge für von Hand bewegte Schiebetüren, ohne Antrieb und ohne Sensorik
- Feststellanlagen — wenn ein Brand- oder Rauchschutzabschluss offen stehen soll, statt automatisch zu öffnen
- Technische Erklärungen — Normen, Auswahlregeln und Prüfpflichten im Zusammenhang
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Welcher Bereich führt was
Der Zweig gliedert sich nach der Art der Tür und nach der Aufgabe des Bauteils. Wer weiß, ob sein Flügel dreht oder schiebt und ob er den Antrieb oder die Bedienseite sucht, ist mit zwei Klicks am Ziel.
| Bereich | Was dort steht | Wann er der richtige ist |
|---|---|---|
| Drehtürantriebe | Antriebe für Drehflügel, dazu Programmschalter, Not-Aus, Funkbedienung und Ersatzteile | Der Flügel dreht und darf schwenken. Der Antrieb ersetzt den vorhandenen Türschließer und lässt Zarge und Türblatt unangetastet — die häufigste Nachrüstung im Bestand |
| Automatische Schiebetüren | die Bedien- und Erkennungsseite: Radar- und Präsenzmelder, Kombisensoren, Großflächen-, Ellbogen- und Wandschlagtaster | Die Anlage schiebt bereits oder ist geplant und es geht um Öffnungsimpuls und Absicherung. Schiebetürantriebe selbst führt der Shop nicht |
| Bewegungsmelder | Radar-Bewegungsmelder und Präsenzmelder, richtungsempfindlich, mit einstellbarem Erfassungsfeld | Ein Melder soll ersetzt oder ergänzt werden — unabhängig davon, ob die Tür dreht oder schiebt |
Quer dazu liegt eine zweite Ordnung, die beim Zusammenstellen einer Anlage hilft: Antreiben übernimmt der Antrieb, Auslösen ein Impulsgeber — Radar, berührungsloser Sensor oder Taster —, Absichern ein Sicherungssensor, der auch stehende Personen erkennt, und Bedienen die Elemente für Betriebsart und Notabschaltung: Programmschalter, Notausschalter, Funkhandsender. Fehlt eine dieser vier Aufgaben, ist die Anlage nicht vollständig — am häufigsten fehlt die Absicherung, weil ein Öffnungssensor auf den ersten Blick aussieht, als erledige er beides.
Wann eine Automatiktür nicht die Antwort ist
Ein Antrieb ist die aufwendigste Lösung für eine schwergängige Tür — und oft nicht die nötige. Bevor Sie automatisieren, lohnt die Frage, welches Problem die Tür eigentlich hat.
| Das Problem | Die kleinere Lösung | Warum sie reicht |
|---|---|---|
| Die Tür lässt sich nur mit hoher Kraft öffnen | Türschließer mit reduziertem Öffnungsmoment — dormakaba Easy Open, GEZE ECline | Easy Open senkt das Öffnungsmoment über eine herzförmige Nockenscheibe um etwa 40 %, ohne die Schließkraft anzutasten. Bestätigt vom MPA Dortmund, eingeordnet über DIN SPEC 1104 und DIN 18040 |
| Brandschutztür, die im Alltag frei beweglich sein soll | Freilauftürschließer | Im Freilauf wirkt praktisch kein Schließmoment; erst bei Alarm oder Stromausfall schließt der Schließer. Verlangt allerdings die zugehörige Auslösung mit Rauchschalter |
| Der Abschluss soll offen stehen bleiben, nicht automatisch öffnen | Feststellanlage | Das ist zulassungsrechtlich eine andere Sache — sie braucht eine Bauartgenehmigung des DIBt. Eine Freigabe für die Feststellung ersetzt keinen Nachweis der Nutzungssicherheit und umgekehrt |
| Der Flügel soll nur leichter laufen, nicht von selbst | manueller Schiebetürbeschlag | Eine von Hand bewegte Schiebetür braucht weder Sensorik noch Absicherung nach EN 16005 — der Aufwand entfällt vollständig |
Der Auswahlfehler, der dabei am meisten kostet: Viele Türschließer führen zwei Breitenangaben — die maximale Flügelbreite und die barrierefrei nutzbare. Beim GEZE TS 5000 sind das 1400 mm gegenüber 1100 mm; beim TS 5000 ECline fallen beide Werte auf 1250 mm zusammen. Wer nach der maximalen Breite auswählt, bekommt eine technisch korrekt ausgestattete Tür, die für den vorgesehenen Nutzerkreis trotzdem zu schwergängig ist — und steht am Ende doch beim Antrieb. Umgekehrt gilt: Wo auch das reduzierte Moment noch zu hoch ist, ist der Antrieb genau richtig. Einen Schließer eine Nummer kleiner zu wählen, ist dagegen keine Lösung; das senkt auch die Schließkraft, und an Brand- und Rauchschutztüren ist es unzulässig.
Häufige Fragen zu Automatiktüren
Was ist eine kraftbetätigte Tür?
Eine Tür, deren Flügel ganz oder teilweise von einer Energiequelle bewegt wird statt von der Hand des Nutzers — im Regelfall also von einem Motor. Der Begriff ist deshalb wichtig, weil an ihm die Regelwerke hängen: Sobald eine Tür kraftbetätigt ist, gilt für sie EN 16005 zur Nutzungssicherheit, unabhängig davon, ob sie dreht oder schiebt und ob der Antrieb neu oder nachgerüstet ist.
Ersetzt der Antrieb den Türschließer oder kommt er dazu?
Das hängt an der Bauart, und der Unterschied wird oft übersehen. Ein vollwertiger Drehtürantrieb ersetzt den Schließer: Er übernimmt Öffnen und Schließen, und mit ihm entfällt die EN-Größe als Auswahlkriterium — an ihre Stelle treten DIN 18263-4 für Drehtürantriebe sowie DIN 18650 und EN 16005 für das automatische Türsystem. Ein Türassistent dagegen öffnet nur; geschlossen wird die Tür weiterhin vom vorhandenen Türschließer, der deshalb an der Tür bleibt. Der Türassistent ist die kleinere Nachrüstung, der Vollantrieb die vollständige Lösung.
Worin unterscheiden sich Schiebe- und Drehtürautomatik in der Nachrüstung?
Im Eingriff ins Bauwerk. Ein Drehtürantrieb sitzt dort, wo vorher der Türschließer saß — Zarge und Türblatt bleiben unangetastet, es ist ein Bauteiltausch mit Stromanschluss. Eine automatische Schiebetür ist dagegen eine Anlage: Sie braucht Laufschiene, Antriebsprofil und Platz für den fahrenden Flügel neben der Öffnung. Deshalb ist die Drehtür der übliche Weg im Bestand und die Schiebetür die Wahl bei Neubau oder Umbau des Eingangs.
Ist eine Automatiktür automatisch barrierefrei?
Sie löst die Anforderung, an der die meisten Türen scheitern: das Öffnungsmoment. Weil der Antrieb die Öffnungskraft aufbringt, spielt sie für den Nutzer keine Rolle mehr. Barrierefreiheit nach DIN 18040 umfasst aber mehr als die Kraft — Durchgangsbreiten, Bewegungsflächen und die Erreichbarkeit der Bedienelemente gehören dazu. Ein Taster, den man im Rollstuhl nicht erreicht, macht die Automatiktür nicht barrierefrei. DIN 18040-1 gilt für öffentlich zugängliche Gebäude, DIN 18040-2 für Wohnungen.
Wozu dient ein Notausschalter an einer Automatiktür?
Er stoppt den Antrieb sofort, damit die Tür anschließend von Hand bedient werden kann. Die Ausführung mit Glasscheibe verlangt zum Auslösen das Eindrücken der Scheibe — das verhindert versehentliches Betätigen und macht zugleich sichtbar, dass eine Notsituation vorlag. Nach dem Auslösen wird die Ersatzscheibe getauscht, danach ist der Schalter sofort wieder einsatzbereit.
Fragen zur Kaufentscheidung
Womit fange ich an, wenn eine vorhandene Tür automatisch werden soll?
Mit drei Feststellungen an der Tür selbst: Dreht der Flügel oder schiebt er? Ist es ein Brand- oder Rauchschutzabschluss? Und wie soll die Tür ausgelöst werden — durch Erkennung oder durch bewusste Betätigung? Aus der ersten Frage folgt der Bereich, aus der zweiten, ob zusätzlich zulassungsrechtliche Anforderungen gelten, aus der dritten die Sensorik. Erst danach steht die Auswahl des Antriebs an, nicht davor.
Reicht der Antrieb allein oder brauche ich Sensorik dazu?
Der Antrieb allein bewegt die Tür, aber niemand sagt ihm, wann. Zu jeder Anlage gehören mindestens ein Impulsgeber und eine Absicherung des Fahrwegs — beides ist Teil der Nutzungssicherheit nach EN 16005 und nicht optional. Ob der Impuls von einem Radarmelder, einem berührungslosen Sensor oder einem Taster kommt, entscheidet dagegen die Situation vor Ort.
Wie viele Bedienstellen braucht eine Automatiktür?
Mehr als eine, sobald die Tür von zwei Seiten benutzt wird — der Impulsgeber muss auf beiden Seiten wirken. Dazu kommen die Stellen, die nicht dem Öffnen dienen: ein Programmschalter für die Betriebsart, abschließbar dort, wo nicht jeder umschalten soll, und ein Notausschalter an gut sichtbarer Stelle. Eine gängige Aufteilung ist die Bedienung an der Tür und die Notabschaltung dort, wo im Ernstfall jemand steht — an der Pforte oder am Fluchtweg.
Wann ist ein Antrieb übertrieben und ein leichtgängiger Türschließer genug?
Wenn die Tür grundsätzlich von Hand bedient werden kann und nur die Kraft das Problem ist. Dann ist ein Schließer mit reduziertem Öffnungsmoment die kleinere und wartungsärmere Lösung — bei dormakaba Easy Open, bei GEZE ECline, jeweils bevorzugt mit Gleitschiene statt Gestänge, weil die Gleitschiene das günstigere Öffnungsmoment hat. An Brandschutztüren, die im Alltag frei beweglich sein sollen, ist der Freilauftürschließer die Antwort. Zum Antrieb greift man, wenn auch das reduzierte Moment noch zu hoch ist, wenn die Tür ohne Handkontakt öffnen soll oder wenn hoher Durchgangsverkehr keine Pause zum Aufziehen lässt.