Handauslösetaster — wann er Pflicht ist und wann er entfallen darf

Kurz & Knapp
- Bei Freilauftürschließern in Deutschland Pflicht
- Bei Türhaftmagneten nötig — gegen den Magneten lässt sich die Tür nicht zuziehen
- Bei elektromagnetischer Feststellung in der Gleitschiene darf er ggf. entfallen
Wann ein Taster gebraucht wird — und wann nicht
„Die Tür muss sich von Hand schließen lassen" gilt immer. Ob dafür ein separater Taster nötig ist, hängt aber davon ab, wie die Tür festgehalten wird. Das wird in der Praxis regelmäßig über einen Kamm geschert — und dann entweder ein Taster zu viel bestellt oder einer zu wenig.
| Art der Feststellung | Separater Handauslösetaster | Grund |
| Türschließer mit elektromagnetischer Feststellung in der Gleitschiene (z. B. EMF, EMR, ISM-E) | darf ggf. entfallen | Die Feststellung gibt nach, wenn die Tür von Hand zugezogen wird — die Handauslösung steckt in der Mechanik |
| Türhaftmagnet (z. B. THM, EM 500, DICTATOR EM) | nötig | Der Magnet hält die Tür mit voller Haltekraft; sie gibt erst frei, wenn der Stromkreis unterbrochen wird |
| Freilauftürschließer (z. B. TS 99 FL/FLR, GEZE EFS/RFS) | Pflicht | Die Tür ist ab Öffnungswinkel > 0° frei beweglich — es gibt keine Haltekraft, die man durch Zuziehen überwinden könnte |
Die Herstellerangaben sind hier eindeutig: Hekatron schreibt zum HAT 02, bei Türschließern mit elektromagnetischer Feststellung dürfe die Handauslösung ggf. entfallen — bei Freilauftürschließern ist sie Pflicht. GEZE führt den Unterbrechertaster AS 500 als „in Deutschland Pflicht bei Freilauftürschließern (EFS/RFS)". Für den dormakaba TS 99 ist ein Handauslösetaster nach DIBt-Richtlinien erforderlich.
Maßgeblich bleibt in jedem Fall der Verwendbarkeitsnachweis der konkreten Anlage. „Darf ggf. entfallen" ist eine Möglichkeit, keine Freigabe im Einzelfall.
Warum der Freilauftürschließer den Taster zwingend braucht
Beim Freilauftürschließer ist die Tür ab einem Öffnungswinkel über 0° frei beweglich — sie verhält sich wie eine Tür ganz ohne Schließer und lässt sich in jeder Stellung stehen lassen. Genau deshalb greift der Griff zur Tür hier nicht als Auslösung: Es gibt keine Feststellkraft, die man durch Zuziehen überwinden und damit den Schließvorgang einleiten könnte. Die Auslösung muss über den Taster erfolgen.
Beim dormakaba TS 99 kommt hinzu, dass DIP-Schalter 1 auf ON (manueller Reset) stehen muss — ebenfalls eine Vorgabe für Freilauftürschließer. Siehe dormakaba RMZ DIP-Schalter.
Beim Haftmagneten führt kein Weg daran vorbei
Ein Türhaftmagnet hält das Türblatt mit seiner vollen Haltekraft an der Ankerplatte. Diese Kraft ist so bemessen, dass die Tür im Betrieb sicher offen steht — von Hand ist sie nicht sinnvoll zu überwinden, und ein gewaltsamer Versuch beschädigt Magnet oder Türblatt. Die Tür schließt erst, wenn der Stromkreis unterbrochen wird. Genau das ist die Aufgabe des Handauslösetasters, der deshalb als Öffner (NC) in die 24-V-Leitung eingeschleift wird.
Bei manchen Modellen sitzt der Unterbrecher gleich im Magneten — GEZE führt Ganzmetall-Haftmagnete mit integriertem Unterbrecherdrucktaster. Dann übernimmt der Druckknopf am Magneten die örtliche Handauslösung.
Anforderungen an Montage und Kennzeichnung
| Anforderung | Vorgabe |
| Montagehöhe | 1,4 m, Toleranz +0,2 / −0,4 m (DIN VDE 0833-2:2017-10) |
| Sichtbarkeit | gut sichtbar, frei zugänglich, beleuchtet |
| Farbe | rot |
| Aufschrift | „Tür schließen" |
| Lage | darf durch die festgestellte, offen stehende Tür nicht verdeckt werden |
| Barrierefreie Gebäude | abweichende Höhen möglich |
Der Taster ist außerdem das Prüfmittel für die Gesamtanlage: Bei der jährlichen Funktionsprüfung wird er betätigt — die Tür muss daraufhin schließen.
Bauformen für besondere Situationen
| Bauform | Wofür |
| Taster für Trockenräume (IP20) | Standardfall im Gebäudeinneren, Auf- und Unterputz |
| Taster für Feuchträume (IP44) | nur Aufputz, für feuchte Bereiche |
| Taster mit Schlüssel oder Glasscheibe | wo unbeabsichtigtes oder mutwilliges Schließen verhindert werden muss |
| Flächentaster / Großflächentaster | großflächige Betätigung, auch mit Ellbogen bedienbar |
| Ex-Ausführung | explosionsgefährdete Bereiche |
| Schutzabdeckung (e-Cover) | gegen Missbrauch in Schulen, Heimen und öffentlichen Bereichen |
Integriert oder separat
Ein Teil der Zentralen bringt den Handauslösetaster bereits mit. Die Hekatron FSZ Basis etwa hat einen integrierten Handauslösetaster im Format 50 × 50 mm sowie einen Eingang für einen zusätzlichen externen Taster. Wo die Zentrale ungünstig sitzt — im Technikraum, über der Decke, hinter einer Tür — wird ein separater Taster an der Tür gesetzt.
Bei Anlagen mit mehreren Türen ist zu klären, welchen Bereich ein Taster auslöst. Ein Taster, der eine ganze Etage schließt, gehört anders beschriftet als einer, der nur die Tür daneben betrifft.
Funk-Varianten
Wo eine Leitung zum Taster nicht wirtschaftlich zu ziehen ist, gibt es Funk-Handtaster als Teil der jeweiligen Funksysteme — bei Hekatron der HAT 155 F, bei dormakaba der HT-F im Funeo-System. Sie arbeiten nur innerhalb ihres eigenen Systems; Funkkomponenten verschiedener Hersteller sind nicht untereinander kombinierbar.
Handauslösetaster und die übrigen Bauteile einer Feststellanlage finden Sie unter Feststellanlagen.
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