Neue DIN 18040 angekündigt: Was sich an Türen ändern wird — Bedienkraft, Schwelle, Brandschutz

Kurz & Knapp
- Die DIN 18040 wird überarbeitet, damit sie zur europäischen DIN EN 17210 passt — die neue Fassung ist angekündigt, aber noch nicht erschienen
- Türschwelle: niveaugleich, wo technisch unvermeidbar höchstens 1 cm statt bisher 2 cm, abgeschrägt oder abgerundet
- Bedienkraft: entscheidend wird die Kraft, die am Griff gemessen wird — für bestimmte Brandschutztüren 50 N
- Selbstrettung: Menschen mit Behinderung sollen im Gefahrenfall ohne fremde Hilfe einen sicheren Bereich erreichen — Feuer- und Rauchschutztüren werden damit zum kritischen Punkt
- Die Tür wird als Gesamtsystem geplant: Türschließer, Bänder, Dichtungen, Beschläge, Brandschutz und Fluchtweg zusammen
Was die DIN 18040 regelt — und warum sie überarbeitet wird
Die Normenreihe DIN 18040 ist in Deutschland die Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen. Sie hat drei Teile:
| Teil | Gilt für |
|---|---|
| DIN 18040-1 | öffentlich zugängliche Gebäude |
| DIN 18040-2 | Wohngebäude |
| DIN 18040-3 | öffentlicher Verkehrs- und Freiraum |
Ziel ist eine gebaute Umwelt, die Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzen können.
Seit August 2021 gibt es mit der DIN EN 17210 („Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umgebung — Funktionale Anforderungen") eine europäische Norm zum selben Thema. Die DIN 18040 wird überarbeitet, um Widersprüche zu ihr zu beseitigen; eine vollständige Übernahme der europäischen Norm kam nicht in Frage, damit die DIN 18040 rechtlich anwendbar bleibt. Die überarbeitete Fassung ist angekündigt, aber noch nicht erschienen; was hier steht, beschreibt den angekündigten Stand. Dabei werden auch Inhalte konkretisiert — für Türen vor allem Schwelle, Bedienkraft und Selbstrettung.
Für laufende Projekte empfiehlt GEZE, spätestens mit dem Erscheinen der neuen Fassung beide Normstände zu vergleichen und mit dem Bauherrn abzustimmen, welche angewendet wird.
Was sich an Türen ändern wird
| Punkt | Angekündigte Fassung (noch nicht erschienen) |
|---|---|
| Türschwelle | grundsätzlich niveaugleich; wo technisch unabdingbar, höchstens 1 cm Höhenunterschied (bisher 2 cm) |
| Schwellenform | abgeschrägt oder abgerundet |
| Drückerhöhe | Bereich auf 85 bis 105 cm erweitert |
| Bedienkraft | die tatsächlich am Griff gemessene Kraft; für bestimmte Brandschutztüren 50 N |
| Brandschutz | barrierefreie Selbstrettung bekommt mehr Gewicht — auch im Brandschutzkonzept |
| Nachrüstbarkeit | bestimmte Türen so vorbereiten, dass sich eine erleichterte Bedienung später ergänzen lässt |
Die Schwelle betrifft mehrere Gewerke zugleich — Bodenaufbau, Abdichtung, Entwässerung, Türsystem. Wer diese Schnittstelle erst in der Ausführung klärt, bekommt die 1 cm oft nur mit großem Aufwand oder gar nicht mehr hin.
Bedienkraft: gemessen am Griff, nicht am Türschließer
Bisher wurde in der Planung oft nur die Einstellung des Türschließers betrachtet. Sie sagt aber nicht, wie viel Kraft eine Person an einer konkreten Tür tatsächlich braucht. Die angekündigte Fassung der DIN 18040 soll deshalb auf die am Griff gemessene Bedienkraft abstellen. Diese Kraft hängt ab von:
- Türblattbreite und Türblattgewicht
- der erforderlichen Schließkraft-Einstellung des Türschließers
- Türbändern und Dichtungen
- den eingesetzten Beschlägen — auch Türöffnern bei Zutrittskontrolle
- Druckverhältnissen, etwa im Einflussbereich einer Druckbelüftungsanlage
- den Feuer- und Rauchschutzanforderungen der Tür
Zwei Grenzwerte, zwei Regelwerke: Für bestimmte Brandschutztüren nennt die angekündigte Fassung der DIN 18040 50 N am Griff. Für barrierefrei gestaltete Arbeitsstätten legt die ASR V3a.2 für bestimmte Beschäftigtengruppen höchstens 25 N fest. Die beiden Werte haben verschiedene Anwendungsbereiche und lassen sich nicht ungeprüft gegeneinander austauschen.
Warum die Schließkraft nicht einfach heruntergedreht werden kann, steht unter DIN EN 1154 und die EN-Größe: An Feuer- und Rauchschutztüren setzt die Brandschutzanforderung die Untergrenze.
Brandschutztür und Selbstrettung
Barrierefreie Selbstrettung heißt: Menschen mit Behinderungen können einen Gefahrenbereich selbstständig und ohne fremde Hilfe verlassen oder einen sicheren Bereich erreichen. Herkömmliche Rettungskonzepte gehen oft davon aus, dass andere anwesende Personen helfen — die angekündigte Fassung fragt, was geschieht, wenn niemand da ist.
Damit werden Feuer- und Rauchschutztüren zum kritischen Punkt: Sie müssen zuverlässig schließen und gleichzeitig für Menschen mit Behinderungen passierbar bleiben. Barrierefreiheit und Selbstrettung gehören deshalb schon ins Brandschutzkonzept.
Reicht die Bedienkraft einer manuellen Tür nicht aus oder sind zusätzliche Anforderungen an Komfort und Selbstrettung gestellt, kann ein Freilauftürschließer oder eine automatische Tür mit Drehtürantrieb nötig werden. Ein Freilauftürschließer lässt die Tür im Normalbetrieb frei beweglich und schließt erst bei Alarm oder Stromausfall — an einer Brandschutztür ist er Teil einer Feststellanlage.
Keine Lösung ist das Offenhalten mit einer mechanischen Feststellung: An Feuer- und Rauchschutztüren ist sie nicht zulässig. Was an diesen Türen sonst gilt, fasst Rauch- und Feuerschutztürbeschläge zusammen.
Welcher Türschließer für eine barrierefreie Tür?
Viele Türschließer führen zwei Breitenangaben: die maximale Flügelbreite und die Flügelbreite, bis zu der sie barrierefrei nach DIN 18040 nutzbar sind. Ausgewählt wird nach der zweiten. Die Herstellerangaben beziehen sich auf die bisherige Fassung:
| Türschließer | Barrierefrei nach DIN 18040 bis Flügelbreite |
|---|---|
| GEZE TS 5000 ECline (EN 3–5, mit Öffnungsunterstützung) | 1250 mm |
| GEZE TS 5000 ISM mit Freilauffunktion | 1400 mm |
| GEZE TS 5000 ISM | 1100 mm |
Bei Dorma senkt die Easy-Open-Technik mit herzförmiger Nockenscheibe den Kraftaufwand beim Öffnen um 40 % — etwa im dormakaba TS 98 XEA. Als Freilauftürschließer für Feststellanlagen führen wir unter anderem den GEZE TS 5000 EFS.
Wichtig: Ob eine Tür die Bedienkraft der angekündigten Fassung einhält, entscheidet kein einzelnes Produktmerkmal. Geprüft wird das komplette Türelement in seiner Einbausituation.
Checkliste für Planung und Bestand
- Welche Anforderungen an die Barrierefreiheit gelten für das Gebäude und den jeweiligen Nutzungsbereich?
- Welche Türen liegen in Flucht- und Rettungswegen, welche müssen Feuer- oder Rauchschutz erfüllen?
- Welche Bedienkräfte sind in der konkreten Nutzung einzuhalten — und schafft das eine manuelle Tür?
- Wo wird ein Freilauftürschließer oder eine automatische Tür nötig?
- Welche Nachrüstung sollte baulich schon vorbereitet werden?
- Sind Türautomation, Fluchtwegsteuerung, Zutrittskontrolle und Gebäudeautomation aufeinander abgestimmt?
- Liegt die Tür im Einflussbereich einer Druckbelüftungsanlage?
- Was verlangt das Brandschutzkonzept zur barrierefreien Selbstrettung?
Die DIN 18040 arbeitet mit Schutzzielen. Wer ein Ziel anders erreicht als in der Norm beschrieben, muss das fachlich nachweisen, etwa mit einem Barrierefreiheitskonzept. Maßangaben sind davon nicht berührt: Alle Maße sind Fertigmaße, Bautoleranzen dürfen sie nicht unter- oder überschreiten.
Häufige Fragen zur DIN 18040 an Türen
Welche Schwellenhöhe gilt als barrierefrei?
Barrierefreie Übergänge sollen niveaugleich sein. Wo eine Schwelle technisch unvermeidbar ist, sieht die angekündigte, noch nicht erschienene Fassung der DIN 18040 höchstens 1 cm vor — bisher sind es 2 cm. Die Schwelle soll abgeschrägt oder abgerundet sein.
Gilt die überarbeitete DIN 18040 schon?
Noch nicht — die überarbeitete Fassung ist angekündigt, aber nicht erschienen. Für laufende Projekte empfiehlt GEZE, spätestens mit dem Erscheinen beide Fassungen zu vergleichen und die Anwendung mit dem Bauherrn abzustimmen.
Was bedeutet barrierefreie Selbstrettung an Brandschutztüren?
Menschen mit Behinderungen sollen einen Gefahrenbereich selbstständig und ohne fremde Hilfe verlassen können. Die Feuer- oder Rauchschutztür muss dafür sicher schließen und trotzdem mit vertretbarer Kraft passierbar sein — oft über einen Freilauftürschließer oder einen Drehtürantrieb.
Reicht ein barrierefreier Türschließer für eine barrierefreie Tür?
Nein. Maßgeblich ist die am Griff gemessene Bedienkraft, und die hängt auch von Türgewicht, Breite, Bändern, Dichtungen und Beschlägen ab. Der Türschließer muss zur barrierefreien Flügelbreite passen — geprüft wird aber das ganze Türelement.
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